Andreas Kollross

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Debatte um die Sonntagsöffnung

Die Debatte um die Sonntagsöffnung im Handel ist nicht neu, hat aber durch die Coronakrise besondere Brisanz erhalten: 
Zwei verkaufsoffene Sonntage nach dem Lockdown werden diskutiert. Die ÖVP will mit ihrer Forderung nach dem Lockdown die Geschäftstüren auch am Sonntag aufstoßen.

SPÖ & Gewerkschaften gegen Sonntagsöffnung

Niemand kaufe mehr ein, nur weil Geschäfte am Sonntag geöffnet sind, erklärt LAbg. Rene Pfister, Vorsitzender der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter in Niederösterreich. 
Bestehendes Verkaufsvolumen verteile sich nur anders.

„Handelsangestellte sind Menschen mit Familien, wie alle anderen auch. Sie verdienen zumindest einen freien gemeinsamen Tag in der Woche. Die Beschäftigten im Handel haben Wertschätzung verdient, nicht Mehrbelastungen“, meint er.

Über 90 Prozent der Handelsangestellten wollen nicht am Sonntag arbeiten.

„Für kleine Unternehmen führt ein verkaufsoffener Sontag zu großem Konkurrenzdruck gegenüber Ketten und Konzernen, die sich mit den Personalkosten leichter tun“, weiß Pfister. Er glaube auch nicht an eine Entzerrung der Kundenströme. In erster Linie würden Einkaufszentren profitieren – große Umsatzsteigerungen seien wohl nicht garantiert. 

„Die Art und Weise, in der der Wirtschaftskammer-Präsident seine Forderung vorbringt, vermisst jegliche Mindeststandards einer ernst gemeinten Sozialpartnerschaft. Zurecht ist es in Österreich so, dass Abmachungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ausgemacht werden. Herr Mahrer hat sich über das Radio an die Regierung gewandt. Das ist kein guter Start für Verhandlungen.“ 

Ketten profitieren von verkaufsoffenen Sonntagen


Für Kollross ist auch die Argumentation, man wolle gegen den Online-Handel bestehen, eine vorgeschobene: „Wir fordern seit jeher eine gerechte Besteuerung von Online-Giganten und multinationale Großkonzerne. Genau dort liegt nämlich der Wettbewerbsnachteil unserer kleinen und mittleren Handelsunternehmen in den Regionen.“ Für Kollross stehe fest, dass eine Vision entwickelt werden müsse, wie sich die Gesellschaft in den kommenden fünf Jahren verändern werde. Welche Ansprüche an den Handel gerichtet würden und wie sich dieser entwickeln müsse, um in einer Welt, in der Internethandel immer stärker werde, zu bestehen.

In einer Zeit, in der Digitalisierung immer mehr und mehr zunehme, sei es wichtig, Alternativen anzubieten: Beispielsweise regionale Online-Plattformen für kleinere HändlerInnen.

Nur mit Kreativität und Service würden kleinere Unternehmen bestehen können. „Wenn Mahrer schon von einem ‚Wettbewerb der besten Ideen‘ spricht, dann soll er nicht versuchen, diese einseitig von der türkisen Seite einzubringen, sondern von ArbeitnehmerInnen und ArbeitgeberInnen zu entwickeln. Dann werden diese auch von allen Seiten mitgetragen.“ „Schon jetzt im zweiten Lockdown haben sich viele regionale Unternehmen auf ihre KundInnen eingestellt und alternative Einkaufsmöglichkeiten angeboten. Auch wenn es ihnen Türkis-Grün nicht einfach gemacht hat“, weisen Pfister und Kollross auf die von der Regierung groß angepriesene Unterstützung etwa für den Buchhandel hin: 200.000 Euro wurden hier für den Ausbau von Web-Shops und Kundenservice bereit gestellt. Aber die Rechnung ging nicht auf: Es gibt 1.200 Buchhändler in Österreich. Macht also 167 Euro für jeden Buchhändler. Nicht mehr als Almosen.

Türkis-Grün hat für ArbeitnehmerInnen nichts übrig

Zudem befürchten Pfister und Kollross, dass

"Sonntagsarbeit gang und gäbe wird, wenn es eine Liberalisierung der Öffnungszeiten eintritt. Fallen würden die Zulagen auch für andere Berufsgruppen, auch Freiwilligkeit wäre kein Thema mehr. Das wäre eine Verschlechterung für alle ArbeitnehmerInnen in diesem Land – das dürfen wir nicht zulassen.“ 

Die beiden weisen darauf hin, dass die ArbeitnehmerInnen mit Türkis schon einige Verschlechterungen hinnehmen mussten: Sei es der „freiwillige Feiertag“ am Karfreitag oder zuletzt das Streichen der Hacklerregelung. „Türkis-Grün hat für ArbeitnehmerInnen nichts übrig. Deswegen ist bei einseitigen Vorschlägen von dieser Seite höchste Vorsicht geboten. Bevor Entscheidungen getroffen werden, muss es intensive sozialpartnerschaftliche Gespräche geben, damit die ArbeitnehmerInnen das bekommen, was sie verdienen“, erklären Pfister und Kollross und fordern in diesem Zusammenhang, die gepriesene, aber nie realisierte Entschädigung, Stichwort: Coronatausender, an die Handelsangestellten auszuzahlen. Auch eine Maskenpause sollte bei diesen Gesprächen Thema sein.